„Damit er bleibt“
Oskar Lafontaine, das kann man im aktuellen Stern nachlesen, wirft
einen „langen Schatten“ auf die Linke. Mehr noch, er „beherrscht die Partei, immer noch“. Man erfährt, dass der Saarländer und Gregor Gysi einmal die Woche telefonieren. Und dass es Politiker in der Partei gibt, die beklagen, dass sich andere Politiker der Partei als Gralshüter irgendeiner Linie aufspielen. „Ideologische Saalwächter“, werden die genannt, „Lafontaine-Kritiker“ die anderen. Während man das Stück (eine Art Gegenmodell zu Jörges Kolumne in der vorigen Woche, sonst das Übliche: Realos gegen Radikale, bockige Linke, Klima der Denunziation etc. etc.) noch kaum zu Ende gelesen hat, meldet derwesten.de, dass Gregor Gysi tun wolle „was in meinen Kräften steht, damit er bleibt“. Wer? Lafontaine, und zwar als Parteivorsitzender. Denn, sagt sein Fraktionschef, „ohne Oskar wären wir deutlich geschwächt“, das müssten auch die begreifen, die ihn nicht mögen. Wer jetzt denkt, er habe Wichtiges verpasst und vielleicht sei da Gesine Lötzschs „Charlie-Chaplin-Strategie“ am Werk (Stern lesen!), kann hier beruhigt bzw. enttäuscht werden: Die WAZ-Gruppe hat lediglich eine alte Agenturmeldung ins Netz gestellt, die sich auf ein Gysi-Interview vom letzten Dezember in der Berliner Zeitung bezog. Der lange Schatten des Oskar Lafontaine, er verdunkelt offenbar auch manche Online-Redaktion. (tos)
Kommentare / 3 COMMENTS
Genosse Hartz am 29 Jul 10 at 20:31Also ich nenne, jene “Lafontaine-Kritiker” ja lieber Wadenbeißer. Kein einziger davon hat sein Format. Bei einer kümmerlichen Sozialdemokratisierung der Linken werde ich auch nicht mitmachen. In dem Moment wird DIE LINKE nämlich überflüssig und Zeitverschwendung. das muss mir Oskar nicht erzählen. Das weiß ich auch so.
Sissy Fuß am 30 Jul 10 at 00:35Seltsam, Genosse Hartz, Lafontaine ist doch selbst ein Sozialdemokrat. Deswegen ist er ja zur Linken gegangen, weil die SPD nur noch dem Namen nach sozialdemokratisch ist.
Ansonsten ahnst Du wahrscheinlich gar nicht, wie viele Mitglieder der Linken Lafontaine gegenüber kritisch eingestellt sind, weil sie z.B. seine Mitverantwortung für die Änderung des Asylrechts nicht vergessen haben. Ich habe damals gegen ihn und seine SPD demonstriert und würde es heute wieder tun. Schließlich hat er seine Haltung in dieser Frage nicht geändert, wie seine offen bekundete Sympathie für Berlusconis und Ghaddafis Idee von Auffanglagern in Libyen zeigt (die mittlerweile finstere Wirklichkeit geworden ist). Gleiches gilt für seine Haltung zur Folter, die beispielhaft für seine oft bekundete Geringschätzung von Bürgerrechten steht. Müßig zu erwähnen, daß beides gegen die Programmatik der Linken verstößt, aber was juckt das Oskar den Großen, der sich einst als Regierungschef des Saarlandes ein Pressegesetz auf den Leib schneidern ließ, das einer Monarchie würdig wäre? Kurzum, Lafontaine mag zu manchem taugen, aber ganz bestimmt nicht als Bollwerk gegen eine Sozialdemokratisierung der Linken. Die ist für ihn nur eine taktische Frage.
Genosse Hartz am 30 Jul 10 at 10:22Und in Sachen Taktik hat er den Wadenbeißern einiges voraus, welche zudem in der Tat bedeutend weiter rechts stehen. Irgendein grundsätzliches Gesellschaftsmodell, Ziele oder Visionen, außer der nächsten Regierungsbeteiligung, kann ich bei diesen Leuten nicht erkennen. Selbstmurmelnd war auch Lafo auf dem Pfad der Erkenntnis vor 20 Jahren nicht so weit wie heute, andere indes haben diesen niemals betreten, obwohl sie sich Sozialisten nennen. Außer Frage steht auch, dass die Mehrheit seiner innerparteilichen Kritiker von rechts kommt. Wer da hin will, soll sich auf den Weg machen. Ohne mich allerdings.
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