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Wessen Spielregeln

Gesine Lötzsch muss viele Interviews geben, seit sie für die Spitze der Linkspartei nominiert ist, die im Mai in Rostock gewählt wird. Eines hätte eigentlich gereicht, es steht ja doch immer dasselbe darin – was so weit geht, dass Welt und Spiegel sogar die gleiche Überschrift wählen (hier und hier). Weil die 48-Jährige aus dem Osten kommt und im Berliner Bezirk Lichtenberg zu Hause ist, wird eine Frage ebenfalls nie ausgelassen: Wie halten Sie es mit der Staatssicherheit. Großes Interesse um der Aufarbeitung Willen? Kaum, eher ein Stichwort der Schlagzeile wegen. Die war formuliert, kaum hatte Lötzsch im Hamburger Abendblatt den Sprung über das hingehaltene Stöckchen verweigert: Es sei aus ihrer Sicht akzeptabel, wenn frühere Inoffizielle MfS-Mitarbeiter, die ihre Biografien nicht verheimlicht haben, ein Ministeramt bekleiden. Lötzsch nannte Kerstin Kaiser als Beispiel, die dreimal direkt in den Landtag gewählt wurde – „obwohl die Bürger ihre Stasi-Vergangenheit kannten“. Wer gewählt wird, ist gewählt, sagt Lötzsch, so seien nun einmal die demokratischen Spielregeln. Davon wollen ihre Kritiker nichts wissen und reklamierten umgehend ein politisches Foul. Nicht als Plädoyer für den mündigen Wähler wird Lötzschs Hinweis aufgefasst, sondern absichtlich missverstanden: Claudia Roth etwa, die Grünen-Vorsitzende, die Lötzsch unterstellte, sie wolle Stasi-Mitarbeiter zu Ministern machen und die Vergangenheit unter den Teppich kehren. Dem Hamburger Abendblatt brachte diese Kritik übrigens gleich die nächste Schlagzeile. (tos)

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