Respekt verweigert
Nachtrag 8. Februar Sevim Dagdelen hat den drei Pfarrern inzwischen
in einem offenen Brief geantwortet: “Wenn Sie mir dafür die Tür der Kirche weisen, dann soll es so sein. Vertreter der Kirche, die wider besseren Wissens diffamieren, sind nicht meine Ansprechpartner. Ob Sie jedoch die vielen Christinnen und Christen repräsentieren, denen Wahrhaftigkeit etwas bedeutet und die sich gegen Krieg und für Dialog und Verständigung einsetzen, wage ich zu bezweifeln.”
Der Streit um die drei Politikerinnen der Linkspartei, die nach der
Rede von Israels Staatspräsident Schimon Peres im Parlament nicht aufgestanden waren, geht weiter (mehr dazu hier und hier). In Bochum ist dabei eine neue Dimension erreicht: Dort haben drei Pfarrer der Bundestagsabgeordneten Sevim Dagdelen jetzt für ihre Kirchen Hausverbot erteilt. „Sie haben denen, die überlebt haben, den Respekt verweigert, unseren haben sie restlos verloren“, heißt es in einem Brief.
Als der bereits veröffentlicht war, weilte Dagdelen noch auf einer Auslandsreise – eine Erklärung von ihr zu dem Vorgang datiert erst vom Freitag. Das demonstrative Sitzenbleiben haben die drei Linken-Politikerinnen mit ihrer Kritik an der Politik der israelischen Regierung und an bestimmten Aussagen in Peres Rede begründet (siehe auch hier und hier). Es hat sie eine Empathie mit den Opfern des Holocaust offenbar nicht abgehalten, diese Kritik im Rahmen einer Feierstunde zum Gedenken an die Toten der Shoa zu äußern. Die drei Abgeordneten haben darauf verwiesen, dass sie sich zu Beginn der Feierstunde zu Ehren der Opfer erhoben haben. Ist ihre Aktion deshalb weniger taktlos und beschämend? Diese Frage muss erlaubt sein – ebenso wie eine andere: Ist das Sitzenbleiben ein hinreichender Grund, jemanden zur unerwünschten Person und zum Antisemiten zu erklären?
Das von den Pfarrern ausgesprochene Hausverbot für Dagdelen zieht unterdessen Kreise: Da die Linkspartei „häufig ihre Versammlungen in den Räumen der Christuskirche abgehalten“ hat, wie es heißt, müsste sie „sich jetzt einen neuen Raum suchen, wenn sie ihr Bundestagsmitglied nicht von der Teilnahme ausschließen will“. Mancher stellt sich nun auch die Frage, ob das Bochumer Bündnis gegen Rechts „noch in der Christuskirche tagen kann. Ich würde sagen: Es kann das nicht mehr tun“, wie man einem Online-Kommentar entnehmen kann. (tos)
Kommentare / 3 COMMENTS
Tweets die Nach der Peres-Rede: Bochumer Pfarrer erteilen Abgeordneter der #Linkspartei Hausverbot erwähnt -- Topsy.com am 08 Feb 10[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Lafontaines Linke, Heino Windt erwähnt. Heino Windt sagte: RT @Linksdings: Nach der Peres-Rede: Bochumer Pfarrer erteilen Abgeordneter der #Linkspartei Hausverbot http://tinyurl.com/yzefn4u [...]
Ben am 08 Feb 10 at 16:08Versammlungen der Linkspartei in christlichen Gemeinderäumen sind sowieso völlig unverständlich. Wer sich etwas mit der ideologischen Genese der Linkspartei beschäftigt hat, muss schon ganz schöne Gehirnakrobatik betreiben, wenn er diese in christliche Räume einlädt. Der Kirchenhass, den manche Linke vor allem im Osten noch heute treiben ist bezeichnend.
Manchmal braucht es halt etwas, bis den Leuten die Augen aufgehen. Voilá.
sindbad am 08 Feb 10 at 18:14jesus war schon eher ein krasser anarchistischer kommunist
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