Kabale und Hiebe

Wer spät erscheint, muss immer noch eins draufsetzen: Kein Chefredakteur möchte im eigenen Blatt noch einmal sehen, was man schon drei Tage vorher woanders nachlesen konnte. Montag war die Fraktionsklausur mit Gregor Gysis Rede, Freitag kündigte Dietmar Bartsch an, nicht mehr als Bundesgeschäftsführer zu kandidieren. Was schreibt man da noch, wenn alle Geschichten von Ost und West, Realos und Fundis, Personalien und Programmfragen schon geschrieben sind? Man schreibt über „Die Kunst des Verrats“. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung prangt ein großes schwarzes Messer, steht etwas von der „Meucheltat“, erfahren wir etwas von echten und falschen Freunden.
Das Problem an Texten wie diesem ist, dass sie die Politik zwar durch die Brille persönlicher Beziehungen betrachten, aber zu wirklicher Empathie nicht fähig sind. Hier wird nichts verstanden, hier wird nur anders erzählt – am Ende sind es immer noch die doofen Linken, von denen auch Sechsjährige wissen, dass sie notorisch zerstritten sind. Dabei ist der „Fall Bartsch“, der nie nur ein solcher war, ja wirklich auch eine Geschichte darüber, wie Freundschaften in der Politik an Grenzen stoßen können. „Er hat mich nicht darauf vorbereitet, was kommen würde“, wird Bartsch im Tagesspiegel zitiert. Obgleich es wohl Gelegenheit gab. Das scheint für nicht wenige der Knackpunkte gewesen zu sein, hier öffnete sich so etwas wie ein Riss, und inzwischen hat man mehr als einmal Sätze aus der Partei und ihrem Umfeld gehört, in denen Gysi nicht besonders gut wegkam. Manche haben 20 Jahre und länger gemeinsam Politik gemacht, in oft schwierigen Zeiten zusammengehalten, ihre – wo davon doch jetzt so oft die Rede ist – Loyalität untereinander bewiesen. Nun haben nur ein paar Wochen heftiger Streit zu einer “Lösung” geführt, die manchen mehr “wehtut” als es in der Politik üblich ist. (tos)
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Tweets die Kabale und Hiebe: Wie die FAS die Bartsch-Debatte als Verratstragödie fortsetzt und woran es ihr fehlt: Empathie erwähnt -- Topsy.com am 18 Jan 10[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Lafontaines Linke, Linksistgut erwähnt. Linksistgut sagte: LinkeNews: Kabale und Hiebe http://url4.eu/19sjV [...]
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