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Im Kampfeinsatz

Es ist gerade erst ein paar Tage her, das schrieb der Stern: „Der innerparteiliche Machtkampf bei der Linkspartei ist beendet. Der souveräne Sieger heißt Oskar Lafontaine, der eindeutige Verlierer Dietmar Bartsch.“ Dass die beiden die Strömungskonflikte in der Linken wie kaum jemand sonst personifizieren, ist nichts Neues. Dass dieser Streit über die Medien ausgetragen wird, ebenso wenig. Dem Bundesgeschäftsführer war zuletzt mehrfach unter Zuhilfenahme anonymer Kronzeugen vorgeworfen worden, am Stuhl des Saarländers zu sägen. Bartsch sei es, der eine Kampagne gegen Lafontaine „orchestriert“, hieß es kurz vor der Stern-Veröffentlichung in der – genau: Jungen Welt. Das Blatt ist selbst eine Art Orchestergraben, hier lässt man gern gegen den Bundesgeschäftsführer auf die Pauke hauen. Nun hat man dafür gesorgt, dass ein offener Brief von sechs Linkenmitgliedern die gewünschte Verbreitung und Einordnung findet: „Bartsch unter Beschuss“.

Man sei Zeuge „erschreckender Vorgänge und niedrigster Instinkte“ geworden, heißt es in dem Brief. „Höhepunkt dieses traurigen und würdelosen Schauspiels war die presseöffentliche Behauptung, Lafontaines Rückzug stünde in keinem Zusammenhang mit seiner Erkrankung.“ Warum ausgerechnet diese Äußerung der „Höhepunkt“ gewesen sein soll, ist ein wenig rätselhaft. Bartsch hatte schon kurz nach dem Abschied Lafontaines vom Fraktionsvorsitz in einem Interview mit dem Neuen Deutschland erklärt, er sei davon nicht überrascht worden, da der 66-Jährige bereits „2005 intern gesagt“ habe, „er stehe zunächst für eine Legislatur zur Verfügung“. Zudem habe Lafontaine „in kleiner Runde frühzeitig angekündigt“ die Mehrfachbelastung „so nicht fortführen zu wollen“. Mag sein, dass man so etwas aus Höflichkeit nicht wiederholt, wenn die betreffende Person gerade eine Krebserkrankung öffentlich gemacht hat. Vielleicht ist es aber auch so, dass die Autoren des offenen Briefs der Interpretation der Jungen Welt auf den Leim gegangen sind, die ein Bartsch-Interview in der Ostsee-Zeitung als indirekten Aufruf bezeichnet hatte, „munter über Lafontaines Privatleben zu spekulieren und damit den Chef zu demontieren“. Die Überschrift damals: „Krieg am Krankenbett“.

Beschuss, Krieg, Brandbrief – hier ist ganz offensichtlich jemand im Kampfeinsatz. Der Bundesgeschäftsführer wird in der Jungen Welt als „vermeintliche Führungskraft“ bezeichnet, als „Strippenzieher“ und gefürchteter „Pate“. Es sei nun sogar „eher unsicher, ob Bartsch seinen Posten behält“. Schließlich müsse der sich gerade „mit Protestbriefen herumschlagen“.

In Wahrheit steht es eins zu eins, mindestens: Auf den offenen Brief der sechs Mitarbeiter haben am Freitag die sechs ostdeutschen Landesvorsitzenden geantwortet und gefordert, die Personaldebatte um Bartsch, „in der immer stärker die Grenzen des Anstandes überschritten werden“, zu beenden. Der Bundesgeschäftsführer habe großen Anteil am Erfolg der Linken und sei eine „wichtige Integrationsfigur“ in der Partei. Auch Bartsch selbst hat sich zu Wort gemeldet: „Wenn wir auf klarer inhaltlicher Basis solidarisch miteinander umgehen, sind wir stark. Gelingt das nicht, werden wir angreifbar für die Attacken der großen Medien und der politischen Konkurrenz.“

Übrigens: Der Stern-Beitrag, in dem Bartsch vor ein paar Tagen zum „eindeutigen Verlierer“ ausgerufen wurde, ist inzwischen von der Seite des Magazins genommen worden. Gegen zwei Passagen hatte sich Bartsch bereits im Zusammenhang mit der auszugsweisen Dokumentation des Beitrags in der Jungen Welt mit einer Gegendarstellung gewehrt. Man findet den Text aber immer noch vollständig im Netz – auf der Seite eines der Unterzeichner des gegen Bartsch gerichteten offenen Briefs. Seit Samstag findet man ihn dort nicht mehr. (tos)

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Kommentare / 6 COMMENTS

[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Lafontaines Linke, Linksistgut erwähnt. Linksistgut sagte: Lig: Im Kampfeinsatz http://url4.eu/uw1P [...]

Tweets die Im Kampfeinsatz: Die Junge Welt, der Bundesgeschäftsführer der #Linkspartei und zwei offene Briefe erwähnt -- Topsy.com am 12 Dez 09

[...] in der Diskussion um Dietmar Bartsch im vergangenen Winter dem damaligen Bundesgeschäftsführer vorgeworfen, Gerüchte über eine Liason zwischen Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht an den Spiegel [...]

Wer mit wem? | Lafontaines Linke am 13 Aug 10

Nur eine kurze Frage: Warum heißt dieses Weblog nicht “Bartschs Linke”? Dann wäre doch politisch klarer erkennbar aus welcher Sicht hier kommentiert wird.

Frederico Elwing am 12 Dez 09 at 00:45

Nur ein paar kurze Fragen zurück: Darf man eine Kampagne eine Kampagne nennen? Darf man feststellen, vielleicht sogar kritisieren, dass Leute, die anderen Kampagnen vorwerfen, selbst welche führen? Darf man darauf hinweisen, dass gegen Bartsch beispielsweise über die Junge Welt seit Wochen meistens anonym agitiert wird – oder wie im jüngsten Offenen Brief nebulös in seine Richtung Stimmung gemacht wird, ohne seinen Namen zu nennen? Ist man, wenn man das thematisiert, ein Bartsch-Knecht?

wh am 12 Dez 09 at 01:40

Ich finde die beiden anderen Kommentatoren nicht ausgewogen (den Satz verwende ich zu oft als Einleitung). Ich mag tos’ Berichte, weil sie clever von außen über die Linke berichten und alle Medieninformationen in Frage stellen. Guter Journalismus! Dass man dabei manchmal falsch liegt oder den progressiven Schritt nicht ahnt, liegt in der Natur der Sache. Auch in der Natur der Sache liegt, dass, wer genau diesen progressiven Schritt gerade plant, nicht mag wenn er schon vorab mit den Worten “es steht 1:1″ in Frage gestellt wird. Man will ja gewinnen. Das wird man mutmaßlich ja auch – interessanter ist aber die Frage, zu welchem Preis es geschehen wird. Ob’s wohl “zu Null” ausgehen wird? Man wird sehen.

sianasta am 12 Dez 09 at 03:07

äh, wo ist da der progressive schritt?

wh am 12 Dez 09 at 14:06

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