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Lafontaine fehlt

Schon wieder muss Hendrik Thalheim, der Pressesprecher der Linksfraktion im Bundestag, den Abgeordneten Oskar Lafontaine verteidigen. Diesmal gegen der Vorwurf, er missachte gröblich den Wählerauftrag. So kommentierte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast dessen Fehlen bei der Konstituierung des Bundestages am Dienstag (und auch bei der Kanzlerin-Vereidigung am Mittwoch). 622 Abgeordnete hat das Parlament für die nächsten vier Jahre, fünf von ihnen fehlten zum Auftakt – darunter Lafontaine. Der befindet sich dem Vernehmen nach im Urlaub, seit der Fraktionsklausur vor zweieinhalb Wochen im brandenburgischen Rheinsberg. Dort hatte er seinen Kollegen mitgeteilt, nicht mehr für den Fraktionsvorsitz zu kandidieren (was kurz zuvor noch heftig dementiert worden war); die weiteren Beratungen fanden ohne ihn statt. Warum Künast das Fehlen Lafontaines, der kein herausgehobenes Amt mehr in seiner Fraktion bekleidet, schlimmer und dringender hervorzuheben findet als das Fehlen der anderen vier Kollegen, weiß man nicht. Vielleicht fehlt er ihr ganz besonders. Allerdings ist die Abwesenheit bei der Eröffnungssitzung des Parlaments ziemlich ungewöhnlich. Sprecher Thalheim sah sich jedenfalls zu einer eigenwilligen Verteidigungspose genötigt: Der Bundestag werde für vier Jahre gewählt, nicht für die konstituierende Sitzung. Erst vor wenigen Tagen musste Thalheim Gerüchte zurückweisen, Lafontaine wolle sich aus dem Saarbrücker Landtag zurückziehen. Natürlich können Übelmeinende alles Mögliche über Lafontaine erzählen und finden dafür immer ein mediales Podium. Aus der Dementi-Zwickmühle kann dem Pressesprecher nur einer helfen: Oskar Lafontaine durch Anwesenheit und Beantwortung der Fragen, die sich um seine Person ranken. (wh)

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