Linke, Umfragen, Afghanistan

Beim Freitag in der Redaktion gab es einen kleinen Streit über jenen Teil dieses Kommentars, in dem sich skeptisch dazu geäußert wird, ob der Linken „die friedenspolitische Konsequenz, mit der sie auftritt, im Wahlkampf“ überhaupt etwas einbringen würde. Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner meint, die Partei werde „wegen ihrer Sozialpolitik gewählt und insofern wird ihr dieses Thema nicht sonderlich viel nützen“. Prompt legen neue Umfragen etwas anderes nahe: Bei Forsa kletterte die Linkspartei auf 14 Prozent und steht so gut wie seit einem Jahr nicht da. Und auch Allensbach meldete neue Werte, aus denen man schließen könnte, der Zuwachs – nur die Linke gewinnt, alle andere Bundestagsparteien verlieren – sei vor allem mit der Antikriegshaltung und der Aufmerksamkeit des Themas Afghanistan nach den tödlichen Bombenangriffen nahe Kundus zu erklären. Dagegen spricht zum einen der Zeitraum, in dem die beiden Umfragen entstanden sind: Bei Allensbach wurden Daten bis zum 2. September erhoben, da war das tödliche Bombardement noch gar nicht passiert. Forsa telefonierte seine Zahlen bis zum vergangenen Montag heran. Ein starker Effekt sollte daher eher von den Landtagswahlen und der in deren Umfeld geführten Rot-Rot-Debatte ausgegangen sein. Forsa-Chef Manfred Güllner zeigte in diesem Zusammenhang übrigens, wie „überparteilich“ die „Wissenschaft“ namens Demoskopie ist: Er warnte die SPD, deren Mitglied er laut Wikipedia ist, davor, die Schleusen nach links zu öffnen. Dann würden viele Wähler gleich zu den „radikalen Vereinfachern“ gehen. Wahlkampfhilfe für den Steinmeier-Flügel in einem Magazin, dessen stellvertretender Chefredakteur andererseits für ein rot-rot-grünes Signal plädiert: „Deutschland braucht eine linke Alternative.“ Zurück nach Afghanistan: Dass die Linke jetzt so ohne weiteres von ihrer Forderung nach einem sofortigen, raschen oder doch zumindest baldigen Abzug der Bundeswehr profitiert, bezweifelt Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher in der Frankfurter Allgemeinen. „Zwar ist die Skepsis der Bevölkerung gegenüber Bundeswehreinsätzen in Krisengebieten mittlerweile groß. Gleichzeitig unterstützt die Mehrheit Auslandseinsätze, wenn sie der Friedenssicherung und generell deutschen Sicherheitsinteressen dienen.“ Warten wir mal die nächsten Umfragen ab: Emnid, Infratest und FGW stehen diese Woche noch aus. (tos)
Update 12:04: Emnid sieht die Linkspartei in der neuesten Umfrage bei zwölf Prozent, eine leichte Steigerung um einen Punkt.
Kommentare / ONE COMMENT
sachichma am 09 Sep 09 at 19:21Also, naja, was bringt schon was im Wahlkampf. Das ist doch Nabelschau!
Warum lauft ihr nicht Sturm gegen die Millarden die für ein Projekt verpulvert werden, das seit der Wahl nun wirklich jegliche Legitimität verloren hat?im Ausland wird das ganz anders diskutiert:
Assessing an Afghanistan Withdrawal
http://www.isn.ethz.ch/isn/Current-Affairs/Security-Watch/Detail/?lng=en&id=105801Measuring Success in Afghanistan
http://www.tomdispatch.com/post/175111/measuring_success_in_afghanistansorry for posting diese links, aber das thema muss doch nun langsam ‘mal durch sein, oder ist diese Rag-Tag-Gang, Massenmediaspeech: Taliban wirklich wert 60.000 Ausländer in Afghanistan durchzufüttern? sachichma
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