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Klarer Kurs, kalte Krieger

Wenn in den letzten Tagen der Eindruck entstanden sein sollte, Streit über die Bewertung der DDR-Geschichte gebe es nur unter ostdeutschen Sozialdemokraten, so kann dieser ausgeräumt werden: Kurz vor einer Konferenz über den Herbst 1989 tobt die Erinnerungsschlacht auch bei Sachsens Linkspartei, andere haben schon darüber berichtet. Anlass ist ein Thesenpapier einer Arbeitsgruppe des Landesvorstandes (hier als PDF), dem man anmerkt, dass es nicht nur der Selbstverständigung dient, sondern auch auf die Öffentlichkeit wirken soll. Immerhin ist Landtagswahlkampf und in Sachsen spielt das Wende-Erbe bei den Sozialdemokraten eine große Rolle, und die sollen ja in ein Regierungsbündnis gelockt werden. Abgesehen davon steht viel Richtiges in dem Papier, manches Interessantes – aber auch ziemlicher Unsinn.

An dieser Stelle kommt man nicht umhin, der Kommunistischen Plattform zuzustimmen, die schon Anfang März auf zwei Textstellen hinwies, in denen zwischen den „ostmitteleuropäischen” und nationalsozialistischen Diktaturen die Grenzen verwischt werden. Die DDR unterschied sich eben nicht erst „nach der Entstalinisierung” von der NS-Diktatur. Ob man deshalb aber gleich fordern muss, den Streit über die Thesen „zu beenden, bevor er ernsthaft begonnen hat”, ist eine andere Frage. Warum? Weil es in dem Papier nirgendwo „auch nur annähernd vergleichbare Bewertungen des Kapitalismus” gibt? Aber war der denn überhaupt das Thema der Thesen? Muss man das immer überall dazuschreiben? Und by the way: Das Denken kann man nicht nur „unter dem ständigen Einfluss von Bild, RTL und anderen kapitalhörigen Medien” verlernen, wie die Kommunistische Plattform meint, das ging früher auch ganz gut unter dem Einfluss von ND und Parteischule.

Die Junge Welt lässt die Gelegenheit natürlich nicht aus, den vermeintlichen Realos mal so richtig eins mitzugeben, „Sprech westdeutscher Kalter Krieger” und „Unterwerfung mit links” liest man da über die Thesen. Nur werden zum Beleg ausgerechnet Passagen aus dem Papier als besonders empörend zitiert, die dafür gar nicht recht Anlass bieten. Seltsam ist auch die Kritik, der Landesvorstand der sächsischen Linken würde es vermissen lassen, „für einen klaren sozialistischen Kurs zu werben”. Wohin führt der, liebe Revolutionswächter von der Jungen Welt? Das hätten wir dann doch gern einmal gewusst.

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Kommentare / ONE COMMENT

[...] Linkspartei gedacht, die heute eine Geschichtskonferenz in Dresden abhalten (mehr dazu hier auf lafontaines-linke.de). Doch wer mit Schrot schießt, kann schon mal die eigenen Leute [...]

Linke Terminprobleme » Lafontaines Linke am 28 Mrz 09

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