Ein, zwei, viele Kongresse
Am Freitag beginnt in Berlin der Attac-Kapitalismuskongress. 2000 Teilnehmer und eine beachtliche Zahl linker Podiums-Promis werden erwartet. Gut so, aber wer wird eigentlich durch solche Veranstaltungen erreicht? Der Opel-Arbeiter und der Langzeiterwerbslose werden wohl eher Ausnahmen bleiben. Als vor einigen Tagen linke Chefredakteure über Medien in der Krise redeten (mehr dazu hier auf lafontaines-linke.de), bekam man zu hören, dass trotzdem zwei Mal die Woche der Italiener besucht wird – mithin die Krise noch kaum spürbar sei. Aber gilt das auch für den ganz normalen Malocher? Hat irgendwer schon mal einen Leiharbeiter gefragt, was er von Belegschaftsbeteiligungen hält oder von demokratischer Planung der Produktion? Was denken eigentlich Arbeitslose über die „möglichen Alternativen”, die auf den Konferenzen theoretisch umrissen werden? Nun kann man sagen, solche Veranstaltungen haben für die an der Organisation beteiligten Gruppen eine kollektiv-dynamische Funktion, dienen der Erneuerung von Netzwerken und so weiter. Das aber ist eher linke Binnenpolitik. Die Außenwirkung (vielleicht kommt ja auch das Fernsehen) hat man schon selbst kaum mehr in der Hand. Wenn eine Woche nach dem Attac-Kongress dann in München über „Kapitalismus, Krise, Krieg” diskutiert wird, in der Woche darauf die Linksfraktion mit wiederum prominenter Unterstützung „Auswege aus der Krise” sucht und Mitte Mai auch noch der DGB seinen eigenen Kapitalismus-Kongress macht (auch hier darf man eine typische Podiumsveranstaltung mit eher seminaristischem Charakter erwarten) dann wird aus der bloßen Nähe der Termine zueinander ja noch nicht gleich eine zusammenhängende Debatte.
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