Reaktion und Rivalität
Nach dem Europaparteitag der Linken in Essen gab es die üblichen Reaktionen: Angelica Schwall-Düren mopelte herum, die Partei habe sich „ins europapolitische Abseits manövriert”; die Unionsfraktion funkte Alarm, da die Linke nun „mit Klassenkampf Europa erobern” werde und die Grünen haben die Ergebnisse des Parteitags sicher ganz genau studiert, bevor sie ihre Presseabteilung formulieren ließen, dies „alles ist nicht links, sondern national borniert”. Zum Thema André Brie und Sylvia-Yvonne Kaufmann fand man eine gemeinsame Sprachregelung: „gnadenlos abgestraft” (Grüne), „abgestraft” (SPD), „abserviert” (Union). Soweit, so erwartet und letztlich aus der Presse abgeschrieben, die zuletzt ausführlich über den europapolitischen Strömungsstreit berichtet hatte. In der Jungen Welt macht sich heute eine Beteiligte des innerparteilichen Ringens einen Reim darauf: „Skrupellose politische Gegner und Journalisten” hätten es schwer, „ein Feuer dort zu entfachen, wo nicht bereits ein in der Partei selbst erzeugter Funke glimmt”. Die Sozialistische Linke, die in der Europadebatte auch gern einmal ausgeteilt hatte, meint dies freilich nicht als Selbstkritik. Die „Brandsätze”, was für ein Sprachbild, hätten nicht zuletzt Kaufmann und Brie gelegt. Auch das Neue Deutschland bekommt sein Fett ab: Das Blatt, so mokiert sich die Autorin über die Berichterstattung vom Parteitag, „glaubt … feststellen zu können”, die Vorschlagsliste des Bundesausschusses sei nicht auf ungeteilte Zustimmung gestoßen. „Eine weitere Legende” sei, dass der Ost-West-Proporz „infrage gestellt wurde”. Etwa nicht? Wie soll man es sonst nennen, wenn vier von 16 Listenplätzen anders besetzt wurden als vorgeschlagen? Und, wie die Autorin ja selbst schreibt, das Ost-West-Schema „einmal durchbrochen” wurde. Ist einmal keinmal? Die Junge Welt lästert gern einmal darüber, dass das Neue Deutschland nicht mehr Zentralorgan sei, sondern vielleicht eher ein Strömungsblatt. So ein Gedanke würde einem bei der Jungen Welt natürlich niemals kommen.
Kommentieren
Kommentare werden moderiert.

