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Elsässers Boykott

Bis wohin der „gemeinsame Boden” der Linken reicht, was dahinter kommt und wer die Einlasskontrolle übernimmt – ach, was könnte man sich darüber streiten. Jürgen Elsässer und seine „Volksinitiative” waren in den vergangenen Wochen gleich mehrfach Anlass dazu. Querfront, ruft die eine Seite. Und der Angesprochene pöbelt zurück. In dem Zusammenhang ist auch die Forderung erhoben worden, geplante Veranstaltungen mit Elsässer abzublasen; Kooperationen wurden in Frage gestellt, Briefe geschrieben. Einer davon hat nun dafür gesorgt, dass der umstrittene Autor selbst zum Mittel des Boykotts griff: Eine geplante Lesung im Rahmen der Linken Medienakademie löste sich in Missgefallen auf, nachdem Elsässer erklärt hatte, er wolle nicht mehr an diesem „Festival der Political Correctness” mitwirken.

Hintergrund ist ein Briefwechsel zwischen der Redaktion des Prager Frühling und den Akademie-Organisatoren. Das Magazin aus dem Umfeld der Parteiströmung Emanzipatorische Linke hatte Elsässers Teilnahme im Vorfeld kritisiert und sich nach eigenen Angaben nur deshalb nicht gegen eine Stornierung der Medienpartnerschaft entschieden, weil man „das Feld linker Auseinandersetzungen” nicht „für NationalistInnen räumen” wolle. Elsässer reagierte umgehend und auch die Akademie schrieb retour, dieser habe „mit einer Diskussion über die ‚Volksfront‘ den gemeinsamen Boden der Linken” nicht verlassen, werde deshalb auch nicht ausgeladen. Allerdings sei man ziemlich sauer, dass dieser seine Teilnahme an der Medienakademie in einem Blogbeitrag erwähnt habe, der „wachsende Unterstützung” für die „Volksinitiative” herbeirede. Nach dieser „Instrumentalisierung”, so die Akademie-Organisatoren, habe man Elsässer ein „Ultimatum” gestellt – er dürfe die Veranstaltung nicht zur Werbung für die „Volksinitiative” nutzen, andernfalls werde ein ihm zur Seite gestellter Moderator diese umgehend beenden. Der Prager Frühling stellte den Antwortbrief ins Netz. Elsässer wird nun mit den Worten zitiert, er habe von dieser Mitteilung nur durch Zufall im Internet gelesen. „Wenn man mir das privat gesagt hätte, wäre das schon ein starkes Stück gewesen. Nun wurde es aber hinter meinem Rücken öffentlich bekannt gegeben.” Der kurze Auftritt auf der Akademie sollte dann nur dazu dienen, dem Publikum die Gründe des Boykotts zu erklären (ein angekündigtes Papier war Samstagmorgen noch nicht online). Die Organisatoren hatten „kein Verständnis” und sprachen später von einem „billigen Werbegag” des Autors. Der selbst stapelt in seinem Blog wie üblich haushoch: „Elsässer lässt Linke Medienakademie platzen”. Die Veranstaltung ging am Samstag wie geplant weiter.

Ach so: Elsässer war ursprünglich auch zum Attac-Kongress an diesem Wochenende eingeladen worden. Dass die Vorbereitungsgruppe trotz Kritik wegen der „Volksinitiative“ zunächst daran festhielt, verbuchte er ebenfalls unter der Überschrift „wachsende Unterstützung für Elsässer“. Eine Stellungnahme von Attac vom Januar findet man hier – den Namen Elsässer lässt sich heute aber weder im Programm des Kapitalismus-Kongresses noch auf der Referentenliste finden.

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