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Elsässers Volksfront

Die große Krise ist auch eine Krise der Linken – da hat Jürgen Elsässer sicher recht. Über seine Schlussfolgerungen sagt das nichts, die könnte man eher für den Ausdruck der Krise eines Autors halten. Im Neuen Deutschland (hier und hier weitere Beiträge) und deutlicher noch hier trommelt er für eine „Volksfront, die das national bzw. ‚alt-europäisch‘ orientierte Industriekapital einschließt”. Müssen wir jetzt alle zu Solidarisierungsbesuchen beim Mittelständler um die Ecke aufbrechen? Latschen demnächst Kannegiesser, Hundt und Co. im selben Demo-Block mit den Leiharbeitern, die sie je nach Auftragslage heuern und feuern? Unter der Deutschlandfahne womöglich? Für Elsässer ist die beginnende Rezession „Ergebnis eines bewussten Angriffs des anglo-amerikanischen Finanzkapitals auf den Rest der Welt” – gegen den müssten sich nun die „angegriffenen Nationalstaaten” koordinieren, die Finanzaristokratie aus Europa verdrängen und mittelfristig ein „eurasisches Bündnis” schmieden. „Firmen, denen das Exportgeschäft in die USA wegbricht, wird mit Staatskrediten bei der Umorientierung auf Russland, Indien und China geholfen. Dort ist genügend Kaufkraft für deutsche Produkte”, so Elsässer in seinem „Sofortprogramm zum Schutz der Volkswirtschaft”. Nur so könne man „die Dominanz des parasitären Finanzkapitals und der USA unterminieren”. Puh. Man muss Elsässer, der immer schon auf Provokation gesetzt hat, nicht gleich hinterherwerfen, dass man ähnliches auch schon anderswo, etwa beim „Kampfbund Deutscher Sozialisten” gelesen hat, wo Verrückte davon träumen, sich in einem „eurasischen Bündnis” aus der „US-amerikanischen Umklammerung und Ausbeutung” zu befreien (zum Beispiel hier). Elsässer spricht indes selbst davon, dass „dumpfes Ressentiment” auf der von ihm gezeichneten Linie liegt – „aber die ökonomische Realität, die dem zugrunde liegt”, so die Einschränkung, dürfe die Linke dennoch nicht ignorieren. Dass sich Widersprüche zwischen verschiedenen Kapitalfraktionen verschärfen, ist nicht falsch. Warum soll sich die Linke aber auf eine der beiden Seiten schlagen? Elsässer sagt, die „Reduktion auf Klassenkampf ist sektiererischer Unsinn”. Seine „große politische Offensive”, eine „Kombination aus Wladimir Iljitsch und Ludwig Erhard” ist es nicht minder.

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Kommentare / 6 COMMENTS

[...] “Elsässer Volksfront” | lafontaines-linke.de | 21.12.2008 [Link] [...]

benjamin-krueger.net » Blog Archive » Elsässer und die NPD am 13 Jan 09

[...] seine Idee einer „Volksinitiative” (mehr hier und hier) hatte sich Jürgen Elsässer von links einiges an Kritik (etwa hier) und von rechts jede [...]

ND ohne Elsässer » Lafontaines Linke am 14 Jan 09

“parasitären Finanzkapitals” diese Heuschreckenmetapher ist eine tendenziell antisemitische Stereotype. Elsässer ist einfach nur widerlich. Es ist ein Armutzeugnis für das “Neue Deutschland” das gerade er dort Platz gefunden hat. Nachdem er selbst der sog. Zeitung “junge Welt” zu viel wurde. Und das soll schon was heißen bei den Israelhassern Werner Pirker und Co..

Benjamin am 24 Dez 08 at 10:05

Finanzkapital ist natürlich nie parasitär, nicht wahr? Lieber mit Israel gegen den Rest der Welt. „Elsässer gehört zu den klugen Köpfen im Linksmilieu, weswegen er dort auch keinen Einfluss hat.“ schrieb mal die FAZ – zweiteres unter anderem wegen Leuten wie dir!

David Noack am 24 Dez 08 at 17:47

Ach ja, Kritik am Apartheidssystem im Nahen Osten ist natürlich total verächtlich. Lieber mit den Kolonisatoren, Völkerrechtsbrechern, Imperialisten und anti-muslimischen Rassisten für die Überlegenheit der weißen Zivilisation und gegen die rückständigen Barbaren aus dem Nahen Osten, nicht wahr?

David Noack am 26 Dez 08 at 10:48

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