Heilmann vs. Wikipedia
Der Linkspartei-Politiker Lutz Heilmann hat per einstweiliger Verfügung untersagen lassen, „die Internetadresse wikipedia.de auf die Internetadresse de.wikipedia.org weiterzuleiten”, solange “unter der Internet-Adresse de.wikipedia.org” bestimmte Äußerungen über ihn abrufbar sind. Das klingt nicht nur ziemlich unverständlich, sondern ist es auch, zieht man in Betracht, dass der Eintrag über den Bundestagsabgeordneten weiterhin für jeden zu erreichen ist (einfach mal “Lutz Heilmann” googeln). Internetaffine Menschen haben sich bereits zu wahren Stürmen der Begeisterung anregen lassen, wie man etwa hier nachlesen kann. Und in den Medien macht die Angelegenheit auch schon Schlagzeilen – keine besonders guten, versteht sich. Mal ganz von der Bredouille abgesehen, in die jemand kommen kann, der vor der Alternative steht, entweder Äußerungen über sich öffentlich stehen zu lassen, die nicht gerade das Ansehen fördern; oder eben zu juristischen Schritten zu greifen, die mindestens ebenso ungünstige Auswirkungen auf den Beliebtheitsgrad haben – was steht eigentlich dahinter? Heilmann war 2005 wegen seiner Tätigkeit beim Objekt- und Personenschutz der DDR-Staatssicherheit unter Druck geraten. Die Geschichte ist freilich allseits bekannt – und würde nun, mehr als drei Jahre später auch keinen Wirbel mehr verursachen. Dagegen könnte ein Blick auf die Schlammschlacht lohnen, die seit geraumer Zeit im schleswig-holsteinischen Landesverband der Linken tobt, dem Heilmann angehört (siehe zum Beispiel hier und hier). Nach Vergleichbarem muss man lange suchen, die Zutaten haben es in sich: Stalin-Torte, Internet-Sexshop, geplatzter Landesparteitag, angebliche Drohungen gegenüber einem Ex-Mitbewohner usw. usf. Einiges davon konnte man bisher auch im Wikipedia-Eintrag über Lutz Heilmann nachlesen – inwieweit dabei die Wahrheit Pate stand oder nicht, lässt sich schwer sagen. Auf den Diskussions- und Versionsseiten von Wikipedia wird man auch nicht viel schlauer. Was davon im Einzelnen das juristische Vorgehen Heilmanns ausgelöst hat, ist nicht genau bekannt. Sicher ist nur: Der Bekanntheitsgrad von Heilmann steigt. Ein Kommentar von der Wikipediaseite: „In Österreich hat bisher niemand von ihm gehört, aber die Nachricht von der Sperrung steht auch hier schon in den online-Zeitungen. Da wird er wohl allein als pedantischer Wikipedia-Gegner Bekanntheit erlangen.”
Kommentare / 2 COMMENTS
ml am 16 Nov 08 at 01:36wie wahr, wie wahr. in der englischen wikipedia wird er als wikin**i beschrieben.
Lafo am 16 Nov 08 at 05:31Der autoritäre Stil, den Heilmann in der Berufsausbildung zum Stasi Mann erlernte, pflegen auch andere, so die beiden Hessen, die den Landesverband Niedersachsen beherrschen: Dehm / Menzner (beide MdB). In Nds. wird das Parteiforum im Netz und der Landesmailverteiler durch Dehm und seine Wasserträger zensiert. Der Beschluß dazu wurde trotz Anfrage nie parteiöffentlich.
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